Manche Bücher fühlen sich an wie eine warme Decke an einem regnerischen Nachmittag. The House Witch – Der Koch des Königs von Delemhach, erschienen bei der Hobbit Presse im Klett-Cotta Verlag, ist genau so ein Buch. Mit einer gelungenen Mischung aus Magie, Humor und liebenswerten Figuren schafft der Roman etwas, das in der Fantasy nicht selbstverständlich ist: ein echtes Zuhause-Gefühl.
Worum geht es in The House Witch?

Finlay Ashowan arbeitet als königlicher Koch – und ist gleichzeitig eine mächtige Haushexe, was er jedoch um jeden Preis zu verbergen versucht. Seine Magie zeigt sich nicht in spektakulären Feuerbällen oder gewaltigen Schlachten, sondern vor allem in den kleinen Dingen des Alltags. Er sorgt für Wärme, Geborgenheit und gutes Essen, während am Königshof Intrigen und politische Spannungen langsam ihre Schatten vorauswerfen.
Mit seiner schlagfertigen Art, seiner außergewöhnlichen Kochkunst und einer gehörigen Portion Herz gewinnt Finlay schnell die Menschen um sich – und natürlich auch die Leser. Dabei spielt nicht nur das Essen eine zentrale Rolle: Die liebevoll beschriebenen Gerichte, duftenden Backwaren und festlichen Menüs machen machen The House Witch zu einem echten Wohlfühlroman und lassen einem beim Lesen regelmäßig das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Für zusätzliche Unterhaltung sorgt Finlays eigensinniger Kater Kraken, der mit seinem charmanten Charakter immer wieder für humorvolle Momente sorgt. Gleichzeitig begegnet Finlay der klugen und selbstbewussten Adeligen Annika, die sich nicht von höfischen Konventionen einschüchtern lässt. Mit ihrem scharfen Verstand und ihren eigenen Zielen bringt sie frischen Wind in die Geschichte. Zwischen ihr und Finlay entstehen einige der schönsten Dialoge des Romans, denn sie begegnet ihm auf Augenhöhe und lässt sich von seinem Charme nur selten beeindrucken.
Zwischen gemütlicher Wohlfühlatmosphäre, feinem Humor und einer langsam wachsenden Bedrohung entfaltet sich eine Geschichte, die zeigt, dass Freundlichkeit, gutes Essen und kleine Gesten manchmal genauso mächtig sein können wie die größte Zauberei.
Ein Buch wie ein zweites Zuhause

Was The House Witch für mich so besonders gemacht hat, ist die Atmosphäre. Die Schlossküche wird schnell zum Herzstück der Geschichte. Zwischen duftenden Mahlzeiten, gemütlichen Räumen, charmanten Gesprächen und magischen Kleinigkeiten entsteht eine Welt, in die man sich am liebsten selbst setzen würde – mit einer heißen Tasse Tee in der Hand und einem Teller frisch gebackener Leckereien vor sich.
Das Buch vermittelt durchgehend ein Gefühl von Geborgenheit. Selbst wenn politische Intrigen und Konflikte die Handlung vorantreiben, verliert die Geschichte nie ihren warmherzigen Grundton. Es ist eines dieser Bücher, die einfach herrlich zum Entspannen sind.
Eine willkommene Abwechslung für Dark-Fantasy-Fans
Wer meinen Buchgeschmack kennt, weiß, dass ich normalerweise eher zu düsteren Geschichten greife. Dark Fantasy, Dark Romantasy, moralisch graue Figuren, gefährliche Abenteuer und eine ordentliche Portion Spannung landen bei mir deutlich häufiger auf dem Lesestapel als Cozy Fantasy.
Deshalb war ich anfangs durchaus skeptisch, ob mich ein so ruhiges Buch überhaupt fesseln könnte.
Umso mehr hat mich The House Witch überrascht. Natürlich fehlen hier die großen Schlachten, dramatischen Wendungen im Minutentakt oder die dunkle Atmosphäre, die ich sonst so liebe. Doch genau das machte den Reiz aus. Es war unglaublich angenehm, zwischendurch einmal eine Geschichte zu lesen, die nicht permanent auf Eskalation setzt, sondern ihre Stärke aus ihren Figuren, ihrem Humor und ihrem Wohlfühlcharakter zieht. Das Erzähltempo ist stellenweise eher gemächlich, doch gerade die Figuren und die Atmosphäre haben mich immer wieder weiterlesen lassen.
Gerade zwischen mehreren düsteren oder emotional intensiven Büchern war The House Witch für mich wie eine kleine Lesepause für die Seele.
Liebenswerte Figuren statt großes Spektakel

Finlay ist ein Protagonist, den man schnell ins Herz schließt. Seine Schlagfertigkeit, seine Fürsorglichkeit und seine oft herrlich trockenen Kommentare sorgen immer wieder für Schmunzler. Auch die Nebenfiguren tragen viel dazu bei, dass sich die Geschichte so lebendig anfühlt. Besonders der Kater Kraken stiehlt mit seinen kleinen Auftritten immer wieder die Show und sorgt für einige herrlich amüsante Momente.
Statt spektakulärer Action stehen die Beziehungen zwischen den Charakteren im Mittelpunkt – und das funktioniert erstaunlich gut. Man fiebert mit, freut sich über kleine Erfolge und genießt einfach die Zeit mit den Figuren.
Perfekt als Hörbuch
Besonders empfehlen kann ich The House Witch auch als Hörbuch. Die entspannte Erzählweise eignet sich hervorragend zum Zuhören und macht selbst alltägliche Aufgaben ein wenig gemütlicher.
Ob beim Kochen, Wäschefalten oder Putzen – die Geschichte begleitet einen angenehm durch den Alltag. Noch besser funktioniert sie für ruhige Abendstunden: eingekuschelt auf dem Sofa, während man malt, häkelt, strickt oder anderen kreativen Hobbys nachgeht. Die Atmosphäre des Buches passt perfekt zu diesen entschleunigten Momenten und macht es leicht, den Stress des Tages hinter sich zu lassen.
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Lohnt sich The House Witch? Mein Fazit

The House Witch – Der Koch des Königs ist vielleicht nicht das Buch, das ich normalerweise aus dem Regal ziehen würde. Doch gerade deshalb hat es mich so positiv überrascht.
Delemhach beweist, dass Fantasy nicht immer düster, brutal oder actiongeladen sein muss, um zu begeistern. Manchmal reicht eine magische Küche, ein sympathischer Hexer und eine Geschichte, die sich wie ein Zuhause anfühlt. Zugegeben, ich brauchte anfangs etwas, um in die Geschichte reinzukommen, da ich mehr Action und süchtig machende Plot Twists gewohnt bin. Aber wer dran bleibt und die Figuren richtig kennenlernt, wird mit einer tollen Geschichte belohnt.
Wer Cozy Fantasy liebt, wird hier ohnehin glücklich werden. Aber auch Leserinnen und Leser, die sonst eher zu düsteren Fantasywelten greifen, dürfen dem Buch eine Chance geben. Für mich war es eine wunderbare Abwechslung – und genau das richtige Buch, um einfach einmal abzuschalten und sich in einer warmherzigen, magischen Welt zu verlieren.
Gut zu wissen: The House Witch ist der Auftakt einer Fantasy Reihe mit insgesamt drei Bänden und einem weiteren Ableger, der sich jedoch auf andere Figuren konzentriert. In Deutschland ist bisher nur der erste Band erschienen.
Habt ihr The House Witch bereits gelesen oder gehört? Mögt ihr Cozy Fantasy oder greift ihr normalerweise eher zu düsteren Geschichten? Erzählt es gerne in den Kommentaren!
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