Die U-Bahn, das Wartezimmer oder die Arbeit: Manche Bücher nimmt man überallhin mit. The Knight and the Moth von Rachel Gillig durfte bei mir nicht einmal mit in den Urlaub. Nachdem ich für diese wunderschöne Ausgabe nämlich extra draufgezahlt hatte, wollte ich schließlich keine angestoßenen Ecken riskieren. Man kann es übertreiben mit der Buchliebe. Ich weiß. Aber ich kann nichts dafür.
The Knight and the Moth stand schon lange auf meiner Leseliste und dann kam im September endlich der zweite und abschließende Band der Stonewater-Kingdom-Dilogie The Knave and the Moon raus. Da ich Cliffhanger nicht ausstehen kann, wenn ich nicht sofort weiterlesen kann, war meine Zeit für das Buch also endlich gekommen. Die neue Ausgabe habe ich gleich vorbestellt und daher die wunderschöne Ausgabe mit Farbschnitt ergattert. Da kann ich Band eins schlecht ohne Farbschnitt ins Regal stellen. Ich konnte es aber weder in Buchläden noch online noch mit Farbschnitt ergattert, daher habe ich mich bei Vinted und Co. auf die Suche begeben. Das Dumme ist, die Farbschnittausgabe wird zu wirklich horrenden Preisen angeboten. Irgendwann bin ich dann auf ein Exemplar gestoßen, das in etwa den Neupreis gekosten hat. Schlage noch Gebühren und Versand drauf und ich habe ordentlich draufgezahlt. Dafür aber nun beide Bände mit Farbschnitt im Regal. 😉 Nun aber genug darüber, wie ich zum Buch gekommen bin, lass uns lieber darüber sprechen, was wir darin finden.

Inzwischen bin ich nämlich durch und kann sagen: Die Geschichte war genau mein Fall. Ein einzigartiges Magiesystem, stimmungsvolle Gothic-Vibes und eine erfrischend erwachsene Romanze – da war schon ziemlich viel dabei, was ich an Fantasy liebe.
Worum geht es in The Knight and the Moth? Von Weissagungen und verschwundenen Schwestern

Sybil Delling ist schon seit neun Jahren Weissagerin und steht gemeinsam mit ihren Schwestern im Dienst der Kathedrale von Aisling. Eines Tages kommt der König mit dem geheimnisvollen Ritter Rodrick (Rory) Myndacious nach Aisling und ihr Leben ändert sich schlagartig. Rory glaubt nicht an Sybils Visionen und macht ihr das auch immer wieder deutlich. Als Sybil ihm trotzdem sein Schicksal vorhersagt, stößt sie auf ein mysteriöses Omen, das sie nicht deuten kann.
Anschließend verschwinden auch noch nach und nach ihre Schwestern. Ausgerechnet Rory wird nun zu demjenigen, den sie um Hilfe bitten muss. Gemeinsam kommen sie düsteren Geheimnissen auf die Spur und nebenbei entwickelt sich eine erfrischend erwachsene Liebesgeschichte. Ach ja, das Wichtigste habe ich fast vergessen: Es gibt noch den herrlich unterhaltsamen Gargoyle Bartholomew. 😉
Viel Fantasy, eine leise Romanze und ein großartiger Gargoyle

Besonders gefallen hat mir das Magiesystem. Endlich mal etwas, das sich für mich wirklich anders angefühlt hat! Ich will nicht zu viel verraten, da man erst nach und nach lernt, woher die Macht der Omen kommt und wie die Magie genau im Königreich verteilt ist. Aber es war wirklich mal etwas anderes und hat super gepasst.
Dazu kommt diese leicht düstere Gothic-Atmosphäre, die mich sofort angesprochen hat, ohne dass mir die Geschichte insgesamt zu finster geworden wäre. Hier gibt es außerdem keine riesigen Schlachten oder Kriege zu gewinnen. Es geht eher um die Frage, wie viel Macht man dem Glauben und den Göttern wirklich verleihen sollte. Gekämpft wird trotzdem.
Und dann ist da natürlich noch der Gargoyle. Über den könnte ich vermutlich einen eigenen Absatz voller Begeisterung schreiben. Definitiv einer meiner liebsten Nebencharaktere überhaupt. Sagen wir einfach: Ich verstehe sehr gut, warum alle von ihm reden, aber das muss man selbst erleben. Es gibt sogar eine kleine Bartholomew-Figur bei Amazon*, ich kann allerdings nichts zur Qualität sagen, da sie sich noch auf meiner Wunschliste befindet. 🤣

Trotz der schönen Liebesgeschichte ist The Knight and the Moth für mich mehr Fantasy als Romantasy. Die Romanze nimmt vergleichsweise wenig Raum ein und lässt sich vor allem Zeit. Wirklich viel Zeit. Wer Slow Burn mag, bekommt hier also tatsächlich Slow Burn: Beziehungstechnisch passiert lange erst einmal wenig. Auch ansonsten ist die Romance erfrischend erwachsen und ohne künstliches Drama.
Für mich hat das gut gepasst, weil ich beide Hauptfiguren auch unabhängig voneinander super spannend fand. Beide haben viel durchgemacht und bringen ihre eigene Geschichte mit. vor allem Sybil muss lernen, dass nicht alles, was ihr gelehrt wurde, der Wahrheit entspricht und entwickelt sich toll weiter.
Auch beim Spice bleibt es moderat. Eine Szene wird etwas expliziter, aber selbst die würde ich noch als eher zurückhaltend einordnen. Die Liebesgeschichte funktioniert für mich aber auch ohne viel Anschmachten und heißer Szenen wunderbar.
Und dann kam dieses Ende …

Ich war auf einiges vorbereitet. Das dachte ich zumindest. Aber dann hat mich Rachel Gillig doch noch richtig umgehauen.
Während die Handlung im Mittelteil zeitweise etwas langsamer voranschreitet, passiert zum Schluss nämlich nochmal richtig viel: Geheimnisse werden gelüftet, neue Erkenntnisse verändern den Blick auf die gesamte Geschichte – und dann endet das Buch mit einem wirklich fiesen Cliffhanger. Ich saß jedenfalls erst einmal ziemlich sprachlos und mit offenem Mund da.

Zum Glück liegt Band zwei aus der Stonewater-Kingdom-Dilogie schon bereit. Nach diesem Ende auf die Fortsetzung warten zu müssen, hätte mir nämlich deutlich weniger gut gefallen. 😅
Wenn Du besondere Magie, Gothic-Stimmung und eine langsam wachsende Liebesgeschichte magst, könnte The Knight and the Moth genau das Richtige für Dich sein. Für mich war das Buch jedenfalls eines meiner Highlights in diesem Jahr und ich bin schon total gespannt auf die Fortsetzung.
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