Thierry Mugler: Couturissime

25. Mai bis 30. August 2020 in der Kunsthalle München

Atemberaubende Roben und innovative Materialien spektakulär inszeniert – so könnte man die aktuelle Thierry Mugler: Couturissime Ausstellung in der Kunsthalle München in wenigen Worten beschreiben – und doch wird ihr diese Beschreibung nicht ansatzweise gerecht. Noch bis 30. August hast auch Du die Möglichkeit in der Kunsthalle München die außergewöhnlich schönen Kreationen des berühmten Designers hautnah zu erleben. Im Folgenden möchte ich Dir einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was Dich dort erwartet.

Die Thierry Mugler: Couturissime Ausstellung

Die Kunsthalle München präsentiert mit Thierry Mugler: Couturissime erstmals in Deutschland eine spektakuläre Ausstellung über den französischen Modeschöpfer Thierry Mugler in acht Akten. In acht Akten? Richtig gelesen. Bei der Ausstellung handelt es sich nämlich nicht um eine klassisch, chronologisch geordnete Retrospektive, sondern vielmehr um eine multimediale Inszenierung des facettenreichen Werks des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen und Parfümeurs. Gruppiert wurden die Werke dabei nach Themen und Stilen, zu denen Mugler im Laufe seiner Karriere immer wieder zurückkehrte.

Über Thierry Mugler

Manfred Thierry Mugler ist gebürtiger Elsässer mit österreichischen Eltern. Im Alter von 14 Jahren machte er eine Ausbildung als Balletttänzer. Die magische Bühnenwelt mit ihren Kostümen und dem starken Make-up sollte seine spätere Arbeit nachhaltig prägen. Anschließend studierte er Kostümdesign und begann, seine eigenen Kleider zu entwerfen sowie seinen persönlichen Stil zu definieren. Nach einem Umzug nach Paris, findet Mugler schließlich im Modedesign seine wahre Berufung. Sein Modeunternehmen Thierry Mugler gründete er in den frühen 1970er-Jahren. Seine Meisterstücke werden wir im Folgenden noch genauer betrachten, aber so viel bereits vorweg: Kaum einer anderen Persönlichkeit in der Modebranche des späten 20. Jahrhunderts verdanken wir solch extravagante und spektakuläre Entwürfe wie Thierry Mugler! Mittlerweile hat sich Mugler aus dem Modegeschäft zurückgezogen und lebt heute unter seinem Geburtsnamen Manfred Thierry Mugler in Berlin.

Ein tiefes Dekolleté am Hintern zu sehen auf der Thierry Mugler Ausstellung in München

Die Ausstellungsstücke

Zu sehen sind in der Kunsthalle München mehr als 150 seiner Kreationen aus Haute-Couture- und Prêt-à-porter, Bühnenkostüme und Accessoires, zudem Videos, seine eigenen Fotografien, Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Weiterhin runden etwa 100 Werke berühmter Modefotografen von Helmut Newton bis David LaChapelle, die Muglers Kreationen in Szene gesetzt haben, die Ausstellung ab.

»Mein einziges Maß ist die Maßlosigkeit« – Thierry Mugler

Äußerst körperbetonte, maximalistische und extrem unpraktische Outfits, die den weiblichen Körper provokant in Szene setzen, gehören zu den Markenzeichen des Ausnahme-Designers. Inspiriert von großen Hollywood Diven wie Ava Gardner und Liz Taylor greift Mugler immer wieder zurück auf Korsetts und setzt sie glamourös wie stark ein. Hier trifft Wespentaille auf betonte Schultern. Er spielt mit Fetisch-Materialien wie Lack, Leder und Latex, setzt das weibliche Dekolleté (übrigens oben und unten, siehe Bild ;-)) in Szene und behängt die Kurven der Trägerin mit allerlei Strass, Federn und Pailletten. Mugler verwandelt Frauen mit seiner Kleidung lieber in Sexgöttinen, glamouröse Amazonen, Femme Fatales und Superheldinnen, als sie in sackartige Unisexklamotten zu stecken. Ein wahrlich erfrischender Anblick in Zeiten, in denen Jogginghosen und neonfarbene Funktionsjacken nicht selten das Straßenbild dominieren.

Werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf die verschiedenen Aspekte von Muglers Schaffen und betrachten die acht Akte genauer. Dabei sei gleich vorab gesagt, dass die Räume mit zahlreichen atemberaubenden Mugler-Kreationen und interessanten Hintergrundinformationen gespickt sind. Ich zeige lediglich einen kleinen Ausschnitt. 😉


Akt I – Futuristische Couture & Fembots

Gleich zu Beginn der Ausstellung wird es futuristisch. Roboterhafte Looks, karosserieartige Korsetts und kreative Outfit gemacht aus Reifen – hier lenkt Mugler den Blick auf das Verhältnis von Mensch und Maschine. Die Kreationen strahlen dabei Stärke aus und erinnern teils an Rüstungen. Gleich zu Beginn ein echter Wow-Moment, der Lust auf mehr macht!


Akt II – Stars & Strass. Staging Fashion

»Meine einzig wahre Berufung ist die Bühne.« – Thierry Mugler

Der nächste Raum hat sich ganz den spektakulären, bühnenreifen Outfits von Thierry Mugler verschrieben. Mit seiner Vision, Mode in einem musikalischen und theatralischen Setting zu zeigen, gilt er übrigens als Begründer der Modenschau inszeniert als Spektakel. Bereits 1984 veranstaltete er in Paris eine Modenschau, die alle bis dato gesehen Schauen in den Schatten stellte – mit mehr als 6.000 Gästen. Sein Catwalk wurde regelmäßig zur Bühne, die Designs in glamourösen Cabaret-Schauen, Szenen aus Comics oder Musical-Komödien präsentiert. Zudem ließ er als einer der ersten Stars bei Modenschauen modeln. Sängerinnen und Hollywoodstars wie Tippi Hedren, Diana Ross und Sharon Stone liefen für ihn. Außerdem trugen Bühnenlegenden wie Madonna, Lady Gaga und Beyoncé seine Looks.

Die ausgestellten Bühnenoutfits und Roben lassen Liebhabern von Strass, Steinchen und Federn den Atem stocken. Sie zeigen Mugler unglaubliche Liebe zum Detail sowie Kreativität und gehören für mich zu den Highlights der gesamten Austellung.


Akt III – Too Funky

RetroCat zu Besuch auf der Thierry Mugler Ausstellung: Das Outfit zum Musikvideo Too Funky
Dieses starke Outfit von Thierry Mugler ist im Musikvideo zu Too Funky von George Michael zu sehen.

Auch als Videoregisseur war Mugler tätig. Seine Premiere feierte er mit dem 1992 erschienen Musikvideo für den Song „Too Funky“ von Popstar George Michael. Im Musikvideo treten neben bekannten Supermodels wie Linda Evangelista und Eva Herzigová auch Persönlichkeiten der New Yorker Modeszene, Schauspieler und Performance-Künstler in Mugler-Outfits auf. Es existieren übrigens zwei Versionen des Videos, eine von George Michael und eine von Mugler. Auf der Ausstellung wird ersteres gezeigt. Mit einem gleichzeitig kämpferischen und spöttischen Blick enthüllt der Designer dabei den Kontrast zwischen dem Glamour auf dem Laufsteg und dem Chaos hinter den Kulissen.


Akt IV – Belle de Jour | Belle de Nuit

Während in den frühen 1970ern eigentlich Flower-Power angesagt war, zeigte Mugler seine „Glamazone“, eine moderne, stylishe, urbane und unkonventionelle Frau. Hier treffen mutige, figurbetonte Schnitte auf innovative Materialien – gerne auch mal aus der Fetischszene – und erschaffen so einen starken, aufregenden Look für selbstbewusste und mutige Frauen.

Dieser komplett in Schwarz-Weiß gehaltene Raum, benannt nach dem Filmklassiker Belle de jour mit Catherine Deneuve, ist definitiv ein weiteres Highlight der Ausstellung und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Hier kommen definitiv auch Retro-Liebhaber wie ich auf ihre Kosten!


Akt V – MacBeth

Die Inszenierung der MacBeth in der Kunsthalle München

Mugler entwarf über 70 Kostüme und Accessoires für eine neue Produktion von William Shaspeares berühmtem Stück Macbeth, welche 1985 in der Eröffnungsnacht des Festivals von Avignon gezeigt wurde.

In der Kunsthalle ist die Verwandlung der Macbeth auf einer speziell für die Ausstellung kreierten Hollogramm-Installation zu sehen. Außerdem können die Skizzen für einige der entworfenen Kostüme bestaunt werden. Insgesamt eine überaus gelungene Inszenierung die (zumindest bei mir) für Gänsehaut sorgt!


Akt VI – Jenseits der Mode: Mugler hinter der Linse

Bild von Thierry Mugler Claude Heidemayer 1988
Thierry Mugler, Claude Heidemayer, New York Outfit: Thierry Mugler, Kollektion Les Infernales, Prêt-à-porter Herbst/Winter 1988–1989 Foto: © Thierry Mugler

Mugler war auch als Fotograf tätig – und das durchaus erfolgreich. Die Geschichte dahinter ist doch recht unterhaltsam und interessant: 1976 bat er den Fotografen Helmut Newton, eine Werbekampagne für ihn zu realisieren. Als Mugler bei den Aufnahmen stark intervenierte, meine Newton, er solle es doch selbst machen – das ließ sich der Designer nicht zweimal sagen. Mugler führte die Zusammenarbeit mit Newton übrigens über 20 Jahre lang fort, entwickelte aber gleichzeitig seine ganz eigene Bildsprache für Kampagnen.

In einem extra Raum sind einige von Muglers großartigsten Fotografien ausgestellt. Sie spiegeln Muglers Spiel mit den Proportionen und Perspektiven wunderbar wider. Er inszenierte Models gerne als miniaturhaft kleine Figuren vor monumentalen Kulissen – neben Kathedralen, der Pariser Oper, dem Crysler Building oder futuristischen Gebäuden können das auch Eisberge oder Dünen sein. Ein herrlicher Ausstellungsraum um neue Inspiration zu finden und sich einfach von den spektakulären Aufnahmen in den Bann ziehen zu lassen.


Akt VII – Helmut Newton & Mugler

In den 1960er-Jahren verdrängten Modefotografien die herkömmlichen Modeillustrationen größtenteils und die Welt erlebte einen wahren Zeitschriftenboom. Damit bekamen auch Chefredakteure mehr Bedeutung und konnten junge Talente durchaus fördern. Das kam sowohl Thierry Mugler als auch dem Modefotografen Helmut Newton zugute. Beide erhielten Unterstützung von Francine Crescent, der damaligen Chefredakteurin der französischen Vogue.

Helmut Newton fotografierte starke Verführerinnen und setzte dabei Muglers Kreationen regelmäßig in Szene. Im entsprechenden Ausstellungsraum in der Kunsthalle befinden sich daher nicht nur die wirklich eindrucksvollen Fotografien von Newton, sondern auch die darauf zu sehenden Outfits – ein herrlicher Anblick und ein wunderbarer Ort um etwas länger zu verweilen.


Akt VIII – Metamorphose

Das Beste kommt zum Schluss: Wobei bei dieser Ausstellung tatsächlich alle Bereiche großartig sind, ist der letzte Akt, Metamorphose, nochmal etwas ganz besonderes. Kreationen inspiriert von der Natur, Meerestieren, Reptilien, Insekten, Vögeln und den exotischsten Schmetterlingen sorgen für so einige „ahs“ und „ohs“. Interessant zu wissen ist hierbei, dass Mugler zeitlebens darauf verzichtete, mit exotischen Ledern oder seltenen Federn zu arbeiten – er verwendete lieber synthetische Materialien und war damit seiner Zeit wohl weit voraus.

Ein ganz besonderes Highlight dieser Ausstellung findet sich hier: „Die Chimäre“ – eine mythische Kreatur mit Gliederrüstung und Schuppen. Dieses mit Kristallen sowie Strass besetze Meisterwerk entstand in Zusammenarbeit mit dem bekannten Korsetthersteller Mr. Pearl und erforderte tausende Arbeitsstunden – eines der teuersten Kreationen der Modegeschichte und ein wunderbarer Abschluss dieser gelungenen Ausstellung.


Maskenpflicht & Abstandsregeln: Das musst Du bei einem Besuch in der Kunsthalle München beachten

Die Thierry Mugler: Couturissime Ausstellung sollte tatsächlich bereits am 03. April eröffnen. Coronabedingt kam es zum verspäteten Start. Man kann sie nun aber unter Einhaltung einiger Hygienemaßnahmen noch bis zum 30. August 2020 bestaunen. Was es dabei zu beachten gibt:

  • In der Kunsthalle München herrscht momentan Maskenpflicht, Mund und Nase müssen also bedeckt werden.
  • Es gibt einen eigenen Eingang und Ausgang, Abstände müssen eingehalten werden.
  • Tickets können sowohl online als auch vor Ort an der Kasse gekauft werden. Auf den Online-Tickets steht bereits ein Zeitfenster, so können längere Wartezeiten vermieden werden.
  • Geöffnet ist die Kunsthalle täglich von 10 bis 20 Uhr.
  • Es darf nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern die Ausstellung gleichzeitig betreten, daher empfiehlt es sich, falls möglich, die Kunsthalle unter der Woche zu besuchen.
  • Der reguläre Eintrittspreis beträgt 16 Euro, Infos zu Ermäßigungen findest Du hier.
  • Weitere Informationen rund um den Besuch der Ausstellung findest Du auf der Webseite der Kunsthalle München.

Thierry Mugler: Couturissime – mein Fazit zur Ausstellung

Über Modeausstellungen in München freue ich mich immer sehr – vor allem wenn sie so gelungen sind wie diese. Die multimediale Inszenierung der ohnehin schon atemberaubenden Kreationen von Mugler ist wirklich spektakulär und dürfte selbst vermeintliche Modemuffel mächtig beeindrucken.

Hier hat man die Möglichkeit, die umwerfenden Designerroben in Ruhe aus aller Nähe zu betrachten und kann sich nebenbei interessante Hintergrundinformationen durchlesen. Es gibt einen Raum mit Videoaufzeichnungen von den spektakulären Mugler-Modenschauen und die Aufteilung in einzelne Akte anstatt einer chronologischen Reihenfolge gefällt mir persönlich sehr.

Die einzelnen Räume sind dabei alle so wundervoll gestaltet und die Outfits so atemberaubend, dass ich nicht sagen kann, welcher mir am besten gefallen hat – tatsächlich konnte mich jeder Bereich aufs Neue ins Staunen versetzen. Auch wenn ich mich nahezu komplett der Retro-Mode verschrieben habe, so faszinieren mich Muglers Looks sehr – zumal seine Kreationen die klassische Silhouette der späten 40er und frühen 50er-Jahre so herrlich neu interpretieren.

Wie bereits die Gaultier-Ausstellung im Jahr 2015 überzeugt auch Thierry Mugler: Couturissime und ich kann jedem, der die Möglichkeit hat, einen Besuch in der Kunsthalle München wärmstens empfehlen – ich selbst spiele tatsächlich mit dem Gedanken, noch einmal hinzugehen. Auch mit Maskenpflicht und Abstandsregeln kann man den Besuch dort durchaus genießen – der Mund-Nase-Schutz wirkt zwischen Muglers ausgefallenen Kreationen nicht einmal fehl am Platz.


Über die Ausstellung & die Kunsthalle München:

Initiiert und produziert wurde die Ausstellung vom Montreal Museum of Fine Arts (MMFA) in Kooperation mit der Maison Mugler, die das Couture-Erbe des Designers restauriert hat. Kuratiert wurde die Schau von Thierry-Maxime Loriot unter der Leitung von Nathalie Bondil, Generaldirektorin und Hauptkuratorin des Montreal Museum of Fine Arts. Die Kunsthalle München liegt in der Theatinerstraße 8, im Herzen München zwischen Marienplatz und Odeonsplatz und gehört zu den renommiertesten Ausstellungshäusern Deutschlands.

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2 thoughts on “Thierry Mugler. Couturissime: Eine spektakuläre Mode-Ausstellung in der Kunsthalle München

  1. Hallo Sandra,
    das ist eine wirklich beeindruckende und atemberaubende Ausstellung in München! Vielen Dank für den sehr gut kommentierten Bericht und vor allem die tollen Bilder! Besonders der Akt VIII hat uns natürlich am Meisten beeindruckt. Diese Mode ist eindeutig reine Kunst und so nicht tragbar, aber sie bietet tolle Ideen, was alles so möglich ist.

    1. Liebe Kerstin, lieber Ulf,

      vielen Dank für Euren Kommentar!
      Die Ausstellung ist wirklich sehr sehenswert. Akt VIII hat es mir auch besonders angetan, zeigt er doch so wunderbar, wie kunstvoll Mode sein kann.

      Liebe Grüße
      Sandra

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