Ein Waldspaziergang durch die Zeit

Während sich die ersten Blätter bereits bunt färben, kam der Sommer noch ein letztes Mal zurück nach Bayern. Warme Sonnenstrahlen kitzeln die Nase und ein geschäftiges Eichhörnchen bereitet sich auf die kalte Jahreszeit vor. Es ist die Zeit, in der man noch ein letztes Mal im Jahr die Sommerkleider auspacken und etwas Wärme tanken kann. Diese letzten richtig warmen Tage im Jahr eignen sich perfekt für einen entspannten Waldspaziergang. Ich nutze die Spätsommertage gerne, um so neue Energie zu tanken und meine Akkus für den nahenden Herbst aufzuladen. Ein wunderbarer Anlass um unsere Wälder etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vom Laubwald zum Nadelwald: Der deutsche Wald im Wandel der Zeit

RetroCat beim Waldspaziergang in einem Sommerkleid von Lena Hoschek

Dieses wildromantische Bild vom Wald mit all seinen Bewohnern ist tatsächlich noch relativ neu. Lange Zeit galt der Wald eher als Hindernis und sogar als äußerst unheimlicher Ort. Das grüne Dickicht war für den Mensch ein lebensfeindlicher Ort und bereits die jungsteinzeitlichen Bauern begannen, auf guten Böden den Wald roden. Zwar gab es um Christi Geburt in Bayern noch immer riesige, unbesiedelte Waldgebiete, es war jedoch bereits in etwa ein Viertel der ursprünglichen Waldfläche verschwunden.

Dank des wilden Urwalds in „Germanien“, dem Land der finsteren Wälder, mit all seinen Bäumen, Sträuchern, Kräutern und wilden Raubtieren gelang es den Germanen, die hauptsächlich auf dem freien Feld kampferprobten Römer zu vertreiben. Kein Wunder also, dass speziell den Germanen ihr Wald heilig war.

Bis zum Mittelalter änderte sich das drastisch. Die Städte wuchsen und der Wald wurde verdrängt. Zum einen benötigte man das Holz als Baumaterial, zum anderen legte damals kaum jemand Wert auf den Erhalt der Wälder und riesige Waldflächen wurden zu Viehweiden. So kam es, dass um 1400 nur noch in etwa 26 % der Fläche Deutschlands aus Wäldern bestand. Zum Vergleich: heute sind es 32 %. Einige Fürstentümer erlassen Mitte des 15. Jahrhunderts daraufhin erste Forstordnungen zum Schutz des Waldes.

RetroCat in einem Sommerkleid aus der "Hot Mama Afrika" Kollektion von Lena Hoschek

Doch der Wald war noch nicht aus dem Schneider. Lange Zeit war Holz das wichtigste Baumaterial und wurde zudem zum Heizen benötigt. Auch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschlang riesige Mengen an Bäumen. Erst im 19. Jahrhundert begann man mit der Wiederaufforstung und einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Dafür nutzte man vor allem die schnell wachsenden Fichten, eine Baumart, die bis heute unsere Wälder prägt. So wurde der einst wilde Urwald mit unterschiedlichen Baumarten zum bewirtschafteten Forst und einem Holzlieferant, einer Maschine gleichend. Viele Laubbäume wurden von den anspruchsloseren Fichten, Kiefern und Lärchen verdrängt.

Nicht einmal der Wald blieb Mitte des 20. Jahrhunderts vom Nationalsozialismus verschont. Einerseits nahm sich das NS-Regime die altgermanische Waldverehrung zum Vorbild und brachte vor allem die Eiche zurück aus der Versenkung. Andererseits fielen riesige Waldflächen der Kriegswirtschaft zum Opfer. Nach Ende des 2. Weltkrieges war es mit der Waldrodung nicht getan, was vor allem daran lag, dass große Mengen an Holz als Reparationsleistungen an die Siegermächte geliefert werden mussten. Auch Deutschland selbst benötigte für den Wiederaufbau Holz und so wurde wieder stark aufgeforstet, vor allem wieder mit Fichten. Eingesetzt wurden damals übrigens viele Waldarbeiterinnen, welche symbolisch auf der alten 50-Pfennig-Münze verewigt wurden. (Die Dame darauf setzt allerdings eine Eiche. ;-)) Übrigens ziert das Eichenlaub auch die heutigen deutschen ein, zwei und fünf Cent-Münzen.

Heute macht vor allem die zunehmende Luftverschmutzung dem Wald zu schaffen. Ein Problem, das dringend angegangen werden muss. Denn der Wald ist nicht nur die Lunge unseres Landes, er bietet auch zahlreichen Tierarten eine Heimat und kann sogar als Mitbegründer unserer Kultur gesehen werden, sind hier doch zahlreiche unserer Mythen und Legenden geboren.


Mythos Wald: Vom unheimlichen Ort zum Erholungsziel

Während die Germanen den Wald noch verehrten, galt er im Mittelalter und gar bis ins 18. Jahrhundert als unheimlicher Ort und aufgrund der dicken, schweren Luft sogar als ungesund. In den Märchen der Gebrüder Grimm lebten böse Kreaturen und Hexen in den Wäldern. Etwas, was den Ruf dieses Ortes nicht gerade verbesserte. Der Wald ist der Ort, an dem viele unserer Mythen und Fabelwesen ihren Ursprung haben. In den bayerischen Wäldern soll beispielsweise der Wolpertinger beheimatet sein. Ein äußerst scheues Mischwesen, welches nur von bestimmten Personengruppen gesichtet werden kann.

Vintage-Bloggerin RetroCat im grünen Dickicht eines Waldes mit einem Kleid von Lena Hoschek

Erst als im 19. Jahrhundert vor allem die Großstädter den Wald als Rückzugs- und Erholungsort für sich entdecken, um der stinkenden, stickigen Stadtluft zu entfliehen, wandelt sich dessen Bild. Mit der Romantik, welche vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit ins 19. Jahrhundert hinein reicht, entdecken die Deutschen ihre Liebe zum Wald und beginnen, ihn zu schützen. Die Dichter und Maler der damaligen Zeit zeigen uns den Wald von einer ganz anderen, wildromantischen Seite. Adlige Sommerfrischler gingen dort auf die Jagd, machten Spaziergänge oder unternahmen kleine Wanderungen. Eine wahrlich gute Idee, so ein Ausflug ins grüne Dickicht.

RetroCat mit schwarzem Kleid, Strohtasche und großem Dutt beim Walspaziergang im Spätsommer

Das Grün des Waldes hat nämlich nachweislich eine beruhigende Wirkung auf uns und schon ein kurzer Waldspaziergang regt das Immunsystem an. Die heilende Wirkung des Waldes ist also kein Mythos sondern Fakt. Ein kostenloser Wellnessurlaub sozusagen. Heute garantiert das Bundeswaldgesetz den Bürgern freien Zugang zu den Wäldern, auch zu denen in Privatbesitz. Unsere Wälder in Deutschland reichen bis in die Städte hinein und prägen maßgeblich unsere Kulturlandschaft. Umso wichtiger ist es nun also mehr denn je, unsere Wälder auf der ganzen Welt zu schützen und zu verteidigen. Denn ganz nebenbei binden sie Kohlenstoff und halten so unsere Luft sauber. Nicht umsonst gelten sie als die Lungen der Erde.

RetroCat beim Waldspaziergang mit einem schwarzen Kleid von Lena Hoschek

Was wir tun können, um den Wald im Alltag zu schützen? Eine ganze Menge sogar, hier nur ein paar kleine und einfach umsetzbare Beispiele:

  • Uns informieren und Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig der Wald für uns und unser Leben ist.
  • Den Fleischkonsum reduzieren, denn riesige Waldflächen auf der ganzen Welt müssen der Viehzucht weichen.
  • Sparsam mit Holz und Papierprodukten umgehen.
  • Recyclingpapier nutzen.
  • Bei Holzprodukten auf das FSC-Siegel achten.
  • Unseren Müll aus dem Wald wieder mitnehmen und fachgerecht entsorgen.
  • Den Emissionsausstoß in unserem Alltag reduzieren. Wenn irgendwie möglich, also beispielsweise lieber mal aufs Fahrrad als aufs Auto setzen. Das ist nicht nur gesünder für den Wald, sondern auch für uns selbst.

Hast Du noch mehr Tipps? Dann teile sie doch gerne mit uns in einem Kommentar!


Ein Waldspaziergang mit einem Sommerkleid von Lena Hoschek

RetroCat in einem schwarzen Sommerkleid aus der Afrika-Kollektion von Lena Hoschek

Richtig warme Tage hatten wir diesen September nur wenige und doch gab es sie. An einem besonders warmen September-Wochenende haben wir uns aufgemacht und sind in Richtung Tegernsee gefahren. Rund herum befinden sich viele Wälder, die sich wunderbar für einen Spaziergang oder eine Wanderung eignen. Die Abendsonne genossen wir schließlich in einem kleinen Wäldchen nahe meinem Elternhaus. Selbst an heißen Tagen sind die Temperaturen im Wald angenehm kühl. Die frische Waldluft sorgt bei mir immer sofort für Entspannung und hilft mir, nach einer anstrengenden Woche endlich etwas abzuschalten.

RetroCat mit einem schwarzen Neckholder-Kleid von Lena Hoschek beim Abendspaziergang

Um den Spätsommer noch ein letztes Mal für dieses Jahr so richtig zu genießen, schlüpfte ich in ein zeitloses Sommerkleid Lena Hoschek. Das ist eines der sehr wenigen Kleidungsstücke, die ich mir dieses Jahr neu gekauft habe. Mein Kleiderschrank ist voll und ich habe beschlossen, achtsamer und bewusster beim Mode-Konsum zu werden. Dinge, die bei mir einziehen dürfen, sollen mich viele Jahre lang begleiten. Zeitlose Designs und eine hohe Qualität sind dabei natürlich ein Muss. Das Lena-Hoschek-Kleid stammt aus der Afrika-Kollektion aus dem Jahre 2015. Im Gegensatz zu vielen Trendteilen der heutigen Modewelt wirkt es jedoch alles andere als „aus der vorvorletzten Saison“. Ich bin mir sicher, dass dieses Sommerkleid auch in zehn Jahren noch genauso zeitlos schön wirkt wie heute. Und ein ganz großer Vorteil dabei ist, dass ich es nächstes Jahr nicht bereits durch das neueste It-Piece ersetzen muss.

Der Perlenkragen vom Lena Hoschek Kleid aus der Afrika-Kollektion in der Detailansicht

Meine Strohtasche habe ich vor einigen Jahren beim Sommer-Tollwood in München erstanden, meine schwarzen Ballerinas begleiten mich bereits seit vielen Sommern, die Ohrringe sind von meinem letzten Prag-Urlaub und das Haarband stammt aus dem Kleiderschrank meiner Oma.


Ein Waldspaziergang: Die Outfit-Details

Kleid: Lena Hoschek

Ballerinas: alt

Strohtasche: no name

Ohrringe: no name

Haarband: Vintage

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3 thoughts on “Waldspaziergang im Spätsommer & der Wald im Wandel der Zeit

  1. Hallo Sandra
    Das problem ist das mode heute sehr günstig ist.
    Während man früher etwas gekauft hat um es länger als nur eine saison zu tragen ist mode heute zu wegwerfware geworden.
    Für mich heisst das mich kritisch zu fragen trage ich das wirklich oder hängst nur im schrank?
    Brauche ich wirklich 20 röcke die ich sowieso nie trage, sondern bevorzuge ich nicht besser lieblingsstücke die es in der form immer wieder gibt?
    Was auch immer wieder interessant und klimaschonend ist, ist in brockenhäuser zu gehen oder second hand etas zu kaufen.
    Ich hoffe ich finde immer noch einen original mini von Mary Quant 😉
    Liebe grüsse Joan

    1. Liebe Joan,
      da hast du absolut recht! Die Klamotten sind so billig, dass sie von vielen gar nicht mehr richtig geschätzt werden. Sobald etwas nicht mehr gefällt, passt oder eine kleine Macke hat, landet es im Müll.
      Das ist super schade. Lieber gebe ich etwas mehr Geld aus und kaufe dafür etwas, was mir wirklich gut gefällt. Außerdem bringe ich Dinge, die nicht mehr passen oder repariert werden müssen zum Schneider und Schuster meines Vertrauens. Second Hand kaufe ich übrigens auch gerne und gegen einen originalen Mini von Mary Quant hätte ich auch nichts. 😉

      Liebe Grüße
      Sandra

      1. Liebe Sandra
        Da sind wir uns in sachen Mary Quant ja einig 🙂
        Ich bin absolut für qualität aber man muss auch unterscheiden.
        Meine alltags und gleichzeitig lieblingsstrumpfhosen sind mit umgerechnet 63 rappen sehr billig aber einfach von der art, 100% polyamid crêpe, sehr haltbar.
        Das ist auch ein produkt das ich mit ruhigem gewissen kaufen kann weil ich weiss das die vollautomatisch produziert werden und darum sicher keine kinderarbeit dahinter steckt.
        Komischerweise ist da die herkunft auch klar deklariert zum einten serbien und zum andern italien wahrscheilich von golden lady.
        Abe bei gewissen sachen bin ich mir nicht so sicher denn irgend welchen labels traue ich grundsätzlich nicht.
        Natürlich haben zum beispiel ein guter strumpfhalter oder echte nylons ihren preis das ist ganz klar.

        Liebe grüsse
        Joan

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