30er-Jahre-Mode: Die Einflüsse, Stile & Stilikonen

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Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, Armut, Arbeitslosigkeit und politische Spannungen auf der einen Seite, technischer Fortschritt und Innovationen auf der anderen: Die 1930er-Jahre waren ein turbulentes Jahrzehnt. All die sozialen und politischen Geschehnisse beeinflussten natürlich auch die Mode. Im folgenden Blogpost verrate ich Dir, was in den 30ern am Tage und bei Nacht angesagt war, welche Accessoires beliebt waren, was die Damen darunter trugen und wie die Mode für Herren aussah. Um die Mode der 30er-Jahre zu verstehen, werfen wir aber zuallererst einen Blick auf die sozioökonomische und politische Lage dieser Dekade.

Die Mode der 1930er-Jahre: Die Einflüsse

RetroCat in originaler 30er-Jahre-Mode

Im Herbst 1929 kam es in den USA zum Börsenkrach und damit zum abrupten Ende der golden 1920er. Die Zeit der wilden Flapper war vorbei und sparen wurde zwangsläufig modern. Massenarbeitslosigkeit und politische Umbrüche im noch immer unter den Folgen des letzten Kriegs leidenden Europa kennzeichneten diese Dekade. Art déco und Kubismus sind angesagt und gehören zu den wichtigsten Stilrichtungen der Epoche.

Hollywood-Glamour trifft Armut

Andererseits hatte in den 30er-Jahren Hollywood einen enormen Einfluss auf die Mode, nicht umsonst wird dieses Jahrzehnt „das goldene Zeitalter Hollywoods“ genannt. Designer wie Adrian, Walter Plunkett und Travis Banton schufen glamouröse Roben für die größten Stars ihrer Zeit. Kinovorstellungen erfreuten sich damals sehr großer Beliebtheit und konnten als eine Art Flucht aus der bitteren Realität gesehen werden. So kam es, dass neben namhaften Designern auch Kostümbildner ein hohes Ansehen genossen.

RetroCat mit einem originalen Kleid aus den 1930ern und einer Vintage-Handtasche

Trotz all dem Leinwandglamour war ein großer Teil der Bevölkerung zur Genügsamkeit und Beschränkung genötigt. Doch obwohl die Menschen in dieser Zeit mit bitterer Armut konfrontiert waren, legte die Mehrheit großen Wert auf angemessene Kleidung und wollte ein gewisses Ansehen wahren.

Arbeitslosigkeit und wachsende Mittelschicht

Warenhäuser und Filmindustrie gingen Kooperationen ein, um gegenseitig vom Erfolg zu profitieren. Sie richteten sich an die wachsende Mittelschicht und Kaufhäuser fertigten nach Original-Schnittmustern erschwingliche Kleidung für die modebewusste Dame. Frauen mit bescheideneren Mitteln konnten sich mithilfe von Schnittmustern die eleganten Kleider der Filmstars selbst nachschneidern.

Auch wenn in den 30ern sehr hohe Arbeitslosigkeit herrschte, blieben Industriearbeiter und Handwerker in einigen Bereichen einerseits sowie die Büro-, Handels-, Dienstleistungsberufe andererseits teils von der Depression verschont oder hatten zumindest nur mit Lohnkürzungen zu kämpfen. Eine Mittelschicht, die ein gewisses Maß an Wohlstand besaß, gab es also immer noch.

Nichtsdestotrotz wurden die Arbeitsstellen knapper und Frauen im Beruf wieder seltener. Die Emanzipation kam teils zum Erliegen und die Mode wurde wieder weiblicher.

Massenproduktion und Fortschritte in der Textilindustrie sorgten trotz allen Widrigkeiten dafür, dass Frauen eine Vielzahl an sinnlichen, schmeichelnden und modischen Kleidungsstücken zur Verfügung stand.

Bloggerin RetroCat gekleidet und gestylt im Stil der 1930er

Gegen Ende der 1930er trugen in einigen westlichen Ländern wie Großbritannien die Sozialversicherungsreformen Früchte und das Leben wurde für eine kurze Zeit für einige tatsächlich leichter. Politische Umbrüche sowie der Ausbruch des 2. Weltkrieges bringen dieses Jahrzehnt zu einem tragischen Ende.

Politische Umbrüche

Politisch gesehen hält in den 1930ern der Faschismus Einzug in Europa, allen voran Deutschland. In Spanien herrscht zwischen Juli 1936 und April 1939 Bürgerkrieg.

Modisch konnte Deutschland noch lange mithalten, politisch gerieten die Nationalsozialisten jedoch mehr und mehr ins Aus. Die drohende Kriegsgefahr konnte nicht länger ignoriert werden und die Alliierten mussten erkennen, dass den Friedensbeteuerungen des Deutschen Regimes nicht zu trauen war. 1939 provoziert Hitler den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Bereits in den Jahren davor zeichnete sich nicht nur in Deutschland eine Rückbesinnung auf traditionelle und zum Teil stark konservative Werte ab.

Die Modebranche ist auch im Deutschland der 30er-Jahre lukrativ. Auf diesen großen Wirtschaftszweig hatte es die Nazi-Führung abgesehen. So wurde eine zuvor jüdisch dominierte Branche in kurzer Zeit arisiert und unzählige jüdische Geschäfte fielen den Nationalsozialisten zum Opfer. Von der Pariser Mode konnte das Regime die deutschen Frauen aber trotz aller Bemühungen nicht abbringen und so unterscheidet sich ihr Stil kaum vom allgemeinen, in der westlichen Welt herrschenden Schönheitsideal.

Die wichtigsten Designer & Kostümbildner der 1930er-Jahre:

  • Madeleine Vionnet
  • Elsa Schiaparelli
  • Coco Chanel
  • Gilbert Adrian
  • Marcel Rochas
  • Nina Ricci
  • Mainbocher (entwarf Wallis Simpsons berühmtes Hochzeitskleid)

Einflussreiche weibliche Filmstars & Stilikonen der 1930er-Jahre:

  • Greta Garbo
  • Marlene Dietrich
  • Jean Harlow
  • Joan Crawford
  • Mae West
  • Wallis Simpson

30er-Jahre-Mode

Vintage-Mode-Bloggerin RetroCat stellt die 30er-Jahre-Mode vor

Insgesamt wurde die Mode in den 1930ern wieder femininer. Aufgrund der Wirtschaftskrise hieß es auch in der Mode „weniger ist mehr„, was sich selbst in der Haute-Couture niederschlug. Die Kollektionen der Pariser Modehäuser wurden stark reduziert und anstatt auf teure Verzierungen wurde mehr Wert auf Silhouette und Stoff gelegt. Es war nicht unüblich, dass sich die Damen mehrmals am Tag umzogen. Der Tag begann mit einem Frühstück im eleganten Morgenmantel, wer es sich leisten konnte, schlüpfte anschließend ins Sportdreß, bevor das beliebte Tageskleid zum Einsatz kam. Am späten Nachmittag trug Frau ein Tagesend- oder Cocktailkleid, für Abendveranstaltung wurde die große Robe beziehungsweise das Stilkleid ausgeführt.

Pelz war dabei für fast jede Gelegenheit ein beliebter Begleiter, vor allem Silberfuchs. Dabei lautete die Devise: Ein Pelzkragen ist gut, ein ganzes Cape aus Pelz besser. Wer sich Pelz nicht leisten konnte, setzte zumindest auf ein elegantes Samtcape. (Heutzutage gibt es dafür hochwertige Alternativen ganz ohne Tierleid, wie beispielsweise diese Kunstpelzstola von Vecona Vintage beweist.)

Werfen wir nun also einen genaueren Blick auf die unterschiedlichen Klamotten. Für eine bessere Übersichtlichkeit habe ich die folgenden Absätze in unterschiedliche Kategorien unterteilt. Wir starten ganz klassisch am Morgen.


30er-Jahre-Mode: Lingerie & Morgenrock

RetroCat mit Retro-Lingerie
Nahtstrümpfe und Strumpfhalter gab es auch schon in den 1930ern. Damals waren die Strümpfe allerdings noch nicht aus Nylon sondern (Kunst-)Seide.

Die angesagte schmale Silhouette sowie die nun wieder betonte Brust brachten der Mieder- und Lingerie-Industrie neuen Aufschwung. Die klassischen Korsetts konnten ihren Weg nicht wieder zurück in die Mode finden. Dafür gab es nun neuartige Materialien wie Lastex, die sanften Druck ausübten und so für eine schmale Taille sorgten. Die neuen Mieder sollten möglichst falten- und nahtlos sein, damit sie sich nicht unschön unter den schmal geschnittenen Klamotten abzeichnen.

Eine weitere Innovation der 1930er-Jahre: Die US-amerikanische Firma Warner Brothers Corset Co. führte die ersten Standardgrößen A, B, C und D für Büstenhalter ein. BHs sollten die Brust nun wieder betonen.

Miederware und Büstenhalter gab es dabei in den unterschiedlichsten Formen, mussten sie doch auch zu tiefen Rückenausschnitten und später sogar schulterfreien Abendroben passen.

Zudem rückten Hausgewänder, Negligés, Nachthemden sowie Morgenmäntel in den Fokus der Textil- und Modeindustrie. Morgenmantel oder Morgenrock waren meist lang und bei den betuchteren Damen gerne aus Seide. Darin war Frau perfekt fürs Frühstück gekleidet. (Schöne Roben und Nachtgewänder im Stil der 1930er gibt es beispielsweise hier.)

Die Strümpfe waren bis 1939 noch immer aus Seide, Kunstseide oder Baumwolle. Erst in den 1940ern wurden sie endgültig durch Nylons ersetzt. Befestigt wurden sie am Strumpfgürtel oder Korselett.


30er-Jahre-Mode: Freizeit- und Sportbekleidung

RetroCat in einem maritimen Anzug im Stil der 1930er
Modische Freizeitanzüge für Damen im maritimen Stil kamen erstmals in den 1930ern in Paris auf.

Ende der 1910er-Jahre begannen Frauen, nicht zuletzt Dank Coco Chanel, zum Sport und in den Ferien Strickjacken und lange Pullover zu tragen. Gerne übrigens auch mit Streifen. Ein beliebter Stoff für diese Kleidungsstücke war Jersey. Strickwaren waren bequem und knitterten nicht, was auf Reisen natürlich durchaus von Vorteil ist. In den 1930ern änderte sich die Freizeitkleidung der Damen in diesem Bereich nicht grundlegend. Die sportliche Tageskleidung blieb im Gegensatz zur eleganten Nachmittagskleidung kniekurz und auch Damenhosen waren erhältlich.

Dennoch gab es ein paar neue, schicke Entwürfe. Die Pariser Golf- und Tennisspielerin Jane Regny entwarf beispielsweise Sport- und Freizeitkleidung im maritimen Stil, die an Segelanzüge erinnerten. Perfekt für den damals erst kürzlich aufgekommen Segelsport. Die Freizeit- und Sportmode war übrigens der einzige Bereich, in dem Damenhosen soziale Akzeptanz bei der breiten Masse fanden.


Tracht & „Gretchenstil“ in den 1930er-Jahren

Auch in den 1930ern beliebt: Die bayerische Tracht
Die bayerische Tracht wird schon in den 1930ern gerne getragen und modisch aufgepeppt.

Bereits in den 1920er-Jahren kam es in Mode, sich als Städterin im bayerischen und österreichischen Trachtenstil zu kleiden und damit aufs Land oder in die Berge zu fahren. Farbenfrohe gemusterte Stoffe machten das Dirndl zu einem adretten Begleiter für Freizeitaktivitäten wie Radfahren, Wandern, Ausflüge ins Grüne oder in die Berge.

Wer etwas auf sich hielt, zeigte sich in modischen Dirndln oder Trachtenkostümen in Kombination mit ausgefallenen Trachtenhüten auf den Salzburger Festspielen verbrachte die Sommer stilecht in Tracht in Salzburg oder im Salzkammergut.

Selbst die Haute Couture übernahm Elemente der alpenländischen Tracht und verschaffte dem Dirndl so internationale Bekanntheit wie Beliebtheit.

Eine Entwicklung, die den streng Konservativen sowie den Nationalsozialisten überhaupt nicht schmeckte. Ihrer Meinung nach sollte Tracht für Bodenständigkeit sowie Nationalgefühl stehen und keine „modische Spinnerei“ sein. Aber trotz NS-Propaganda konnte sich der ungeschminkte und unbefleckte „Gretchenstil“ nicht allgemein durchsetzen. Bei weitem nicht jede deutsche Frau trug die bieder anmutenden, traditionellen Kleider entsprechend den Vorstellungen des NS-Regimes und auch nicht jede junge Frau schlüpfte gerne in die BDM-Uniformen.

Die NS-Bildpropaganda, die sich versuchte am „Dirndlklischee“ zu bedienen um das modische Erscheinungsbild der deutschen Frauen zu überlagern, die sich durchaus an der internationalen Mode orientierten, zeigte keine oder kaum Wirkung. Und auch der Versuch, den bodenständigen Trachtenstil zu Stärkung des Nationalgefühls zu missbrauchen, konnte der Vorliebe der Damen für elegante und glamouröse Mode nichts anhaben.

Paradoxerweise dachten vor allem die Ehefrauen der in der Öffentlichkeit stehenden NS-Größen überhaupt nicht daran, sich im Kittelkleid zurück an den Herd schicken zu lassen. Sie trugen lieber die neuesten Kreationen aus Paris und legten sich einen glamourösen Pelz um den Hals.


30er-Jahre-Mode: Tagesmode & Cocktailkleider

RetroCat in einer Trachten-Strickjacke aus den 1930ern
Wie diese originale Strickjacke aus den 30ern beweist, waren viele der Damen der damaligen Zeit handwerklich sehr begabt.

Die Wirtschaftskrise führte dazu, dass vor allem die Tageskleidung praktischer und alltagstauglicher wurde. Trotzdem rutschte der Saum selbst in der Alltagsmode wieder nach unten und pendelte sich etwa auf Wadenmitte ein. Die Silhouette blieb schmal. Zuhause trugen viele Frauen praktische und einfache Hauskleider. Die wenigsten hätten darin jedoch ihr Heim verlassen. Selbst für kleine Erledigungen oder ungezwungene Einladungen zum Tee kamen elegantere Nachmittagskleider zum Einsatz.

Außerdem gehörten Rock und Bluse zu den beliebten Kombinationen für den Tag. Die Röcke waren dabei meist eng geschnitten, gewährten aber dank einer leicht glockigen Form dennoch ausreichen Bewegungsfreiheit. Blusen hatten bevorzugt Volant- oder Flügelärmel und durften gerne gemustert sein.

RetroCat in einem 30er-Jahre-Outfit bestehend aus Rock und Bluse mit Volant-Ärmeln

Das durchgehend geschnittene und figurbetonte Prinzesskleid kam in Mode und mauserte sich zum typischen Tageskleid der 1930er. Dem entgegen stand die Hose, die in 1920ern erstmals von mutigen Damen in der Öffentlichkeit getragen wurde. Zwar fand diese auch in der Tagesmode der 30er bei der Mehrheit keine soziale Akzeptanz und galt gemeinhin gar als geschmacklos, war aber aus vielen Kleiderschränken der weiblichen Bevölkerung dennoch nicht mehr wegzudenken. Erst im Krieg und die dadurch steigende Berufstätigkeit der Frauen musste die Damenhose notgedrungen sozial akzeptiert werden.


Marlene-Hosen im Stil der 30er kaufen:


RetroCat in einem 30er-Jahre-Outfit mit Hose, Bluse und Hut

Zur Cocktailstunde trug Frau ein sogenanntes Tagesendkleid. Dieses war üblicherweise lang, aber eher dezent geschnitten und die Muster erinnerten mehr an die Tageskleidung. Es vereint das Nachmittagskleid mit dem Abendkleid und konnte beispielsweise auch zu eleganten Gartenpartys oder Pferderennen getragen werden. Ein wunderbares Beispiel für ein solches Kleid ist dieses hier.

30er-Jahre-Tagesmode: Schnitte & Stil

Ab 1933 wurden Puffärmel modern und die Ärmel der Kleider bekamen die unterschiedlichsten Formen, Längen sowie Drapierungen. Ab 1934 bekam die Tagesmode eine strengere Linie und der Oberkörper wurde mehr betont. Gegen Ende der 30er-Jahre zeichnete sich der drohende Krieg bereits in der Mode ab: eckige Schultern, kürzere Röcke, Stulpenhandschuhe, Federhüte sowie wanderfeste flache Schuhe erinnern sehr an Uniformen und sind bereits Vorboten für den makellosen aber sehr praktischen Charakter der 1940er-Jahre-Mode.

30er-Jahre-Tagesmode: Muster, Farben & Materialien

Beliebte Muster in den 30er-Jahren: Blumen, Streifen, Polka-Dots und Karo

Vor allem im Sommer trugen die Damen gerne Blumenmuster, ganz egal ob winzig klein oder auffällig groß. Blusen waren entweder schlicht oder wiesen auch gerne einmal geometrische Art-déco-Muster auf. Außerdem gab es Stoffmuster mit Punkten, Streifen und sogar Tiermustern. Gegen Ende der 30er-Jahre kam dann zusätzlich das Karomuster in Mode.

In der Tagesmode der 30er dominierten unterschiedliche Nuancen der Farben Grün, Braun, Gelb, Grau, Rot und Blau. Außerdem waren schwarz-weiß-Kontraste beliebt. Die bevorzugten Materialien für die Tageskleidung waren Jersey und verschieden Arten von Kreppgeweben sowie Wolle. Aber auch Samte, Tüll, Seiden und Tafte kamen zum Einsatz.


30er-Jahre-Mode: Strickwaren

Vintage-Mode-Bloggerin RetroCat in einer hellen Strickjacke aus den 30er-Jahren

Nicht nur bei Freizeitaktivitäten war Strickmode beliebt. Vor allem in den 30ern verloren Strickwaren ihr sportliches Image und wurden dekorativer. Das Stricken war weit verbreitet und wurde von den meisten Frauen beherrscht. Da es in vielen Frauenzeitschriften kostenlose Strickmuster gab, war es eine preiswerte Möglichkeit, sich elegant zu kleiden, auch wenn man sich die angesagte Designermode auf Frankreich nicht leisten konnte. Strickwaren gehörten in den 30ern immer öfter zu modischen Ensembles und wurden in eleganten Ausführungen teils sogar abends getragen.

Vintage-Bloggerin RetroCat mit einer Strickjacke aus den 30ern und einer Retro-Frisur

Sie sind zudem eine günstige Möglichkeit, um sich bei kalten Temperaturen warm zu halten. Über einem Kleid getragen, machen sie aus einem sommerlichen Modell sofort ein zumindest herbsttaugliches Exemplar.

RetroCat mit einem rosa Retro-Kleid und einer Vintage-Strickjacke darüber

Während der Kriegsjahre wurden schließlich überwiegend Restgarne verbraucht oder alte Strickwaren aufgetrennt und daraus neue Kleidungsstücke gestrickt.


30er-Jahre-Mode: Abendkleidung

RetroCat in einem originalen Abendkleid aus den 1930ern

Während in den 1920ern für einige Jahre kürzere Abendkleider in Mode kamen, zeichnete sich bereits gegen Ende dieses Jahrzehnts ein neuer Trend ab: Die Abendkleider wurden wieder lang, waren körpernah geschnitten und hatten oftmals sehr tiefe Rückenausschnitte. Gerne kombinierten die Damen diese mit kleinen eleganten Capes. Die ganz mutigen und modebewussten Damen trugen elegante Hosen(-Anzüge), sogenannte Abend-Pyjamas, zu Abendveranstaltungen.

Interessant zu wissen: Da es im prüden Amerika der 1930er nicht erlaubt war, auch nur den Ansatz einer weiblichen Brust zu zeigen, setzte Hollywood auf extrem ausgeschnittene Rückendekolletees, was überall in der restlichen westlich geprägten Welt nachgeahmt wurde.

30er-Jahre-Mode: Die Silhouette & Schnitte

RetroCat in einem fließenden Abendkleid aus den 1930ern
In den 1930ern rutschte der Saum wieder nach unten, die Schnitte und Stoffe waren fließend und körpernah. PS: Dieses Kleid wirkt mir für ein klassisches Abendkleid etwas zu kurz, was aber auch daran liegen kann, dass ich einfach zu groß dafür bin.

Neben den langen Rocksäumen, die die gerne auch eine kleine sogenannte Nixenschleppe haben durften, gab es einige weitere modische Änderungen. Die Taille rutschte etwas hoch auf oder knapp über ihre natürlich Linie und wurde wieder betont, gerne zum Beispiel mit einem schmalen Gürtel. Madeleine Vionnet gilt als die Erfinderin des damals überaus beliebten Schrägschnitts, was bedeutet, dass der Stoff gegen den Fadenlauf zugeschnitten wird. Diese Art des Zuschnitts sorgt dafür, dass das Material natürliche Elastizität bekommt und den Körper so elegant umspielt.

Insgesamt war in den 1930ern eine erwachsen anmutende, lange und schmale Silhouette angesagt, welche mit senkrechten Nähten sowie schrägen Taschen zusätzlich betont wurde. Nichtsdestotrotz wurden Busen, Taille und Hüfte wieder betont.

Die Träger der Kleider waren teils schmal und erinnerten so an den Schnitt von Badeanzügen. Um 1935 wurde der Fokus vermehrt auf dekorative Ärmel gelegt. Es gab überdimensional große Puffärmel, Schlitz- oder Hängeärmel und lange offene Capeärmel. Ab Mitte der 30er gab es auch wieder kürzere Abendkleider.

Klassizismus & Surrealismus

Als modische Inspiration galt damals unter anderem die Antike. Viele Designs namhafter Designer der damaligen Zeit, allen voran Madeleine Vioneet, zeigen eine Tendenz um Klassizismus. Fließende Stoffe wie Seidenjersey oder Satin wurden gekonnt (asymmetrisch) drapiert und dekorative Bodüren rundeten den klassischen Stil perfekt ab. So ließen die Designs ihre Trägerin wie eine griechische Göttin aussehen.

Mode-Bloggerin RetroCat in einem klassischen Vintage-Kleid aus den 30er-Jahren

Mitte der 1930er-Jahre kommen zudem surrealistische Designs in Mode. Elsa Schiaparelli war wohl die berühmteste Vertreterin dieses Trends.

Trotz aller modischen Schlichtheit gab es auch sehr weibliche Kleider mit vielen Rüschen und zahlreichen Verzierungen. Ein Auslöser dafür könnte der Film „Letty Lynton“ mit Joan Crawford aus dem Jahr 1932 sein. „Vom Winde verweht“ befeuerte diesen Trend 1939 zusätzlich.

Bevorzugte Farben in der Abendmode der 30er-Jahre:

  • Weiß
  • Creme
  • Silber
  • Gold
  • Alle Schattierungen von Apricot, Pfirsich und Lachs
  • Hellblau
  • Schwarz und gelegentlich leuchtende Farben

30er-Jahre-Mode: Die Accessoires

Accessoires der 30er: RetroCat mit Filzhut und Lederhandschuhen
Handschuhe, Hut und eine passende Handtasche gehören in den 1930ern zu einem damenhaften Outfit einfach dazu.

Accessoires spielten eine wichtige Rolle in der Mode der 1930er. Zu einem damenhaften Outfit gehörten in jedem Fall Handschuhe, eine Handtasche und natürlich ein Hut. Egal wie zurückhaltend und erwachsen die Kleidung der 1930er-Jahre wirken mag, Hüte und andere Accessoires nahmen in dieser Dekade die verrücktesten Formen an.

Hutmode in den 1930ern

30er-Jahre-Mode: Verschiedene Hutmodelle dieser Zeit: Filzhut, Fedora, Strohhut, Turban, Baskenmütze
Die Hüte waren in den 1930ern sehr unterschiedlich: Filzhüte, Fedoras, große Strohhüte, Turbane und Baskenmützen gab es in den verschiedensten Formen. (PS: Die Frisuren sind nicht immer genau den 1930ern entsprechend.)

In den 1920ern entwickelten sich Hüte ganz ohne oder mit gefalteter Krempe zum letzten Schrei. Diese wurden in den 1930ern von weiblicheren Modellen abgelöst. Filzhüte und Fedoras wurden gerne schief aufgesetzt, was dem Look etwas Keckes und verführerisches verleihen sollte. Zu Beginn des Jahrzehnts waren Hüte meist noch klein und wurden mit Hilfe von Nadel auf der Frisur festgesteckt. Mitte/Ende der 1930er wurden sie aufwendiger und bekamen teils surrealistische Formen.

Elsa Schiaparellis berühmt berüchtigter Schuhhut beispielsweise ist bis heute unvergessen und kann als Vorläufer des heutigen Fascinatiors gesehen werden. Außerdem gab es nun Modelle mit höherer Krone und breiterer Krempe, manchmal gar einer Kreissäge gleichend. Ausgefallenere Exemplare waren zusätzlich mit Schleiern, Federn oder Bändern verziert. Zudem kamen die verschiedensten Barette, Turbane und Kappen in Mode. Für laue Sommerabende gab es außerdem große Strohhüte. Trotz allem modischen Übermut blieb der solide, bodenständige, kleine Filzhut beliebt und war auf den Straßen häufig zu sehen.

Handtaschen in den 1930ern

RetroCat mit einer original 1930er-Vintage-Handtasche in Kroko-Optik

Auch die Leder- und Metallindustrie entwickelte im Laufe der 30er-Jahre neue Techniken, wodurch Handtaschen nicht nur preiswerter produziert werden konnten, sondern auch stetig neue Stile auf den Markt kamen. Dennoch blieben die Taschen vor allem tagsüber eher schlicht, aber geschmackvoll. Hergestellt wurde sie Glatt-, Velours oder Reptilleder. Besonders beliebt war dabei Krokodilleder.

Beliebt waren auch sogenannte Kuverttaschen ohne Henkel, die unter den Arm geklemmt sehr an die heutige Clutch erinnern. Dazu kamen bauchige Beuteltaschen in Mode, die etwas mehr Stauraum boten. Mittlerweile beinhalteten die Taschen sogar entsprechende Vorrichtungen für Make-up, wie beispielsweise Spiegel oder Halterrungen für Lippenstifte, Puder, Kamm usw.

Zudem gab es kleine, halbkreisförmige Soireetäschchen. Günstigere Alternativen zur angesagten Krokotasche waren Bakelit-Handtaschen. Die glamourösen Abendtäschchen waren oftmals reichlich verziert, beispielsweise mit Pailletten, Perlen sowie Stickereien und manchmal auch aus Seide, Satin oder Samt.

Mitte der 30er kamen auch in der Handtaschenmode surrealistische Designs und ungewöhnliche Formen wie die einer Tortenschachtel in Mode. Gegen Ende der 1930er setzten sich schließlich die praktischeren Schultertaschen durch.

Handschuhe der 1930er

RetroCat mit Accessoires der 30er-Jahre: Lange Abendhandschuhe und Lederhandschuhe für den Tag

Handschuhe waren in den 30er-Jahren neben dem Hut ein weiteres „überlebenswichtiges“ Accessoires und wurden gerne auf die Handtasche abgestimmt. Auch Handschuhe gab es in allen erdenklichen Ledersorten und für jede Gelegenheit, egal ob für Tag oder Nacht, Reisen oder die Freizeit. Tagsüber bevorzugten die Damen Leder, abends durfte es dagegen Spitze, Satin oder Tüll sein. Während Handschuhe zu jedem eleganten Tagesoutfit quasi dazugehörten, gab es auch Abendkleider, die ohne Handschuhe auskamen.


30er-Jahre-Mode: Schuhe

30er-Jahre-Mode: Die unterschiedlichen Schuhtypen und -formen
In den 1930ern zeigen sich die Schuhdesigner experimentierfreudig und neue Formen kommen auf den Markt, darunter beispielsweise der Keilabsatz.

Bis zum Ende der 1930er-Jahre war eine Vielzahl an verschiedenen Schuh- und Absatzformen verfügbar. Tagsüber lösten ausgeschnittene Pumps ohne Riemen oder praktische Schnürschuhe im Oxfordstil die Spangenschuhe ab. Im Sommer und zum Tanz blieben Riemchenschuhe oder Pumps mit T-Spange beliebt. Einen glamourösen Touch bekamen die Schuhe durch einen silbernen oder goldenen Anstrich. Offene Sandalen schafften den Schritt von der Tages- in die Abendmode und die Designer wurden immer experimentierfreudiger.

Gegen Ende der 1930er-Jahre kamen zudem Keilabsätze und Schuhe mit offener Spitze, sogenannte Peeptoes in Mode. Salvatore Ferragamo ist übrigens derjenige, der sich im Jahr 1937 den Keilabsatz aus Kork patentieren lässt. Außerdem wurde mit Holzsohlen und gar Glas als Absatz experimentiert.

Um diese Zeit tauchten zudem auch aufregende Schuhe mit kunstvollen Sohlen sowie der Plateau-Absatz auf, welche ihren Weg in den 1940ern fortsetzen sollten.

30er-Jahre-Mode für Herren:

Die Silhouette in der Herrenmode der 1930er war betont maskulin. Breite Schultern und schmale Hüften waren angesagt. Der Zweireiher, steigende Revers und gestreifte Anzüge lagen im Trend.

König Edward von Windsor, der für seine Geliebte Wallis Simpson auf den Thron verzichtete, prägte den aristokratischen Stil. Dazu gehörten unter anderem karierte Sportsakkos sowie Hemden, Jacketts aus Tweed und Gürtel statt Hosenträger.

Für den Sommer gab es nun den leichten, sogenannten Palm-Beach-Anzug. Dieser wurde wahlweise aus Leinen, Seersucker oder anderen leichten Stoffen gefertigt.

Auch die Hutmode bei den Herren wurde vielfältiger und die Kappe entwickelte sich zur Lieblingskopfbedeckung der Arbeiter. Außerdem gab es passende Modelle für den Sport oder jegliche Freizeitaktivitäten.


Männer, die die 30er-Jahre-Herrenmode beeinflussten:

30er-Jahre-Mode kaufen

Die 30er-Jahre-Mode ist gerade aufgrund ihrer Schlichtheit noch heute wunderbar tragbar, wie mein originales Vintage-Abendkleid beweist. Wo aber kann man 30er-Jahre-Mode bzw. von von 1930ern inspirierte Mode kaufen? Hier ein paar Tipps und Ideen:

  • Mein hellblaues Kleid sowie meine Strickjacke habe ich bei Alexa’s in München gekauft. Weitere tolle Vintage-Läden in München stelle ich hier vor.
  • Originale aus den 30ern kann man mit etwas Glück auf Plattformen wie beispielsweise Etsy oder Ebay finden.
  • TopVintage bietet eine eigene Kategorie mit 30er-Jahre inspirierte Mode an. Die Auswahl ist allerdings nicht ganz so groß.
  • Hochwertige und originalgetreue Reproduktionen für Damen und Herren findest Du bei Vecona Vintage.
  • Auch Frozen Hibiscus und Julia Seyfarth haben ein paar hochwertige Kleidungsstücke im Stil der 30er im Angebot.
  • Bei The House of Foxy gibt es eine recht große und preiswerte Auswahl an 30er-Jahre-Reproduktionen.

RetroCat in einem 30er-Jahre-Kleid in Hellblau


Zum Schluss ist anzumerken, dass mein Beitrag natürlich nur einen Teil der 30er-Jahre-Mode widerspiegelt. Mein Blogpost beschreibt, was damals in der westlichen Welt allgemein als modern galt und spiegelt den Stil der Gesellschaft wider, die es sich leisten konnte, mit der Mode zu gehen. Der Fokus liegt dabei auf Europa und Deutschland. Zur damaligen Zeit gab es jedoch genug Menschen, die nicht einen Penny für Kleidung übrig hatten. Daher wurde damals auch viel umgeschneidert, ausgebessert und aufgetragen. Nichtsdestotrotz versuchte selbst die ärmere Gesellschaft, ein gewisses Ansehen zu wahren.

Du möchtest mehr über Mode und die Geschichten hinter den Klassikern erfahren oder herausfinden, was bestimmte Begriffe bedeuten? Dann schau unbedingt auf meiner Seite Fashion Know-how (klick) vorbei!

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4 thoughts on “30er-Jahre-Mode: Lingerie, Tageskleidung, Abendmode & Accessoires

  1. Liebe Sandra,
    kein Wunder, daß es lange gedauert hat, einen neuen Eintrag von Dir zu lesen. Dieser hier ist wirklich umfangreich und sehr interessant. Es wäre schön, wenn die Geschichte die 1000 Jahre zwischen 33 und 45 ausgelassen hätte, hat sie aber nicht.
    Jetzt freuen wir uns auf Deinen nächsten Eintrag.

    LG C&D

    1. Liebe Claudia, lieber Dirk,

      vielen Dank für den lieben Kommentar! Solch umfangreiche Blogposts nehmen tatsächlich immer viel Zeit in Anspruch und ich konnte weniger Beiträge veröffentlichen, als ich es mir gewünscht habe. Daher freue ich mich natürlich umso mehr, wenn dieser Artikel gut ankommt!
      Auf die Jahre von 33 bis 45 hätten wir tatsächlich gut verzichten können. Aber sie gehören nun mal zu unserer Geschichte dazu und dürfen nicht vergessen werden. Daher war es mir wichtig, die politische und gesellschaftliche Situation auch in einem Blogpost über die Mode der damaligen Zeit zumindest anzuschneiden…

      Liebe Grüße
      Sandra

  2. Hallo Sandra

    Mach den Roaring Twenties habe ich die 30er jahre immer für etwas bieder und modisch eher langweilig gehalten.
    Ein grosser irrtum wie ich nach deinem sehr interessanten beitrag feststellen durfte!

    Liebe grüsse, Joan

    1. Liebe Joan,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Die Mode der 30er finde ich schon eine lange Zeit sehr interessant und es hat mir großen Spaß gemacht, mich tiefer einzuarbeiten.
      Natürlich konnte sich damals bei weitem nicht jede Dame modisch aktuell kleiden und sich in die große Abendrobe werfen.
      Wenn ich mir heute alte Familienfotos ansehen, stelle ich fest, dass vor allem die ältere Generation definitiv auch eher biedere Kleidung trug. Dem entgegen stehen dann die großen Abendroben und tollen Kostüme der reicheren Gesellschaftsschicht.
      Wie auch heute trug damals natürlich nicht jeder immer den neuesten Modetrend, ich habe dennoch versucht, einen guten Überblick über das zu gewähren, was damals allgemein als modisch galt. Und mit dem zunehmenden Einfluss von Hollywood auf die Modewelt gab es damals durchaus sehr spannende modische Entwicklungen. 😉

      Ganz liebe Grüße
      Sandra

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