Dirndl und Tracht – gelebte Tradition oder doch nur eine Modeerscheinung?

O’zapft is! Und damit strömen auch diese Jahr wieder abertausende Besucher aus Nah und Fern auf das Oktoberfest aka Wiesn in München; die meisten in Dirndl und Lederhose. Das gehört schließlich einfach dazu, oder? Eigentlich nicht, denn in Dirndl und Lederhosn auf die Wiesn zu gehen ist ein recht neues Phänomen. Und auch das Dirndl ist gar nicht so traditionell wie manch einer vielleicht glauben mag. Während sich Modehäuser, ob groß oder klein, momentan eine goldene Nase an der „traditionellen bayerischen Kleidung“ verdienen, möchte ich Dir die Geschichte des Dirndl etwas näher bringen. Ich bin sicher, einige werden überrascht sein, denn es ist wesentlich jünger als gedacht.

Um die Geschichte des Dirndls besser zu verstehen, macht es Sinn, zuerst die Entstehung der bayerischen Tracht zu beleuchten. Hierzu ist anzumerken, dass es zum Thema Dirndl und bayerische Tracht eine Menge zu sagen gibt. Ich beschränke mich in diesem Beitrag auf die meiner Meinung nach wichtigsten Eckdaten, denn ansonsten würde er jeden Rahmen sprengen.

RetroCat in einem Dirndl auf dem Oktoberfest in München

Dirndl und bayerische Tracht – ist das das Gleiche?

Dirndl, Tracht, ist doch alles das Gleich, oder? Nein, ganz so einfach ist das nicht. Zwar ist auch die bayerische Tracht jünger als gedacht, gleichsetzen kann man beides jedoch nicht.

Trachten: Begriffsklärung

Ursprünglich beschreibt der Begriff Tracht ganz allgemein das Tragen von Kleidung oder die getragene Kleidung selbst. Natürlich war sowohl die städtische, als auch die bäuerliche Tracht dem Wandel der Zeit und der Mode unterworfen. Dabei hatte die städtische Mode stets Einfluss auf die ländliche und nicht anders herum.

Dass ein Großteil der Bevölkerung seine Klamotten lange trug und Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft unterschiedliche Materialien verwendeten war dabei kein Ausdruck heimatliebender Gesinnung, sondern hatte vielmehr mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln zu tun.

Wenn wir heute von Tracht sprechen, meinen wir meist die Kleidung der ländlichen Bevölkerung, deren Verbreitung regional, zeitlich und konfessionell begrenzt ist und in den ihr vorgegebenen Grenzen nach Anlass und Trauerstufe wechselt. Außerdem spiegelt sie den sozialen Status wider.

Mittlerweile versteht man unter der bayerischen Tracht in erster Linie die oberbayerische Gebirgstracht (Lederhose für den Mann, Dirndlgwand für die Frau). Denn die Lederhose hat ihre Wurzeln eigentlich in der Jagd. Wäre sie doch für die Landbevölkerung nicht nur viel zu teuer, sondern für die harte Arbeit auf dem Feld auch gänzlich ungeeignet gewesen.

Wie allein dieser Absatz zeigt, ist eine eindeutige Definition des Begriffs „Tracht“ schwierig. Wenn ich im Folgenden von Tracht oder bayerischer Tracht spreche, meine ich damit, was wir heute darunter verstehen. Männer in Lederhose, Frauen im Dirndlkleid.

RetroCat mit Vintage-Dirndl und Blumenhaarschmuck

Die Bayerische Tracht: Eine kluge Marketingstrategie der Wittelsbacher

Wie zuvor erwähnt, war natürlich auch die Kleidung der bayerischen Landbevölkerung dem Wandel der Mode unterworfen und änderte sich im Laufe der Zeit. Zudem war das Königreich Bayern bei seiner Gründung 1806 von einer einheitlichen Identität meilenweit entfernt. Zu einer echten Trachtenbegeisterung kam es am bayerischen Hof demzufolge auch erst einige Jahre später.

Beim ersten Oktoberfest 1810 ließ Max I. Joseph Kinder und Jugendliche in Trachten kommen – sie sollten die verschiedenen Landschaften (Franken, Schwaben, Pfalz und Bayern), die 1806 zum Königreich Bayern vereint wurden, symbolisieren. Diese wurden allerdings eigens dafür entworfen, regionaltypische Einheitstrachten gab es zu diesem Zeitpunkt nämlich nicht. Dennoch war das eine Hommage an die Landbevölkerung.

Anlässlich der Silberhochzeit von König Ludwig I. von Bayern und Königin Therese fand dann 1835 der erste Trachtenumzug statt. Trachten erlebten aber erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts unter König Max II. einen echten Boom. Er war es, der sich die Förderung der ländlichen Kleidung auf die Fahnen schrieb und das sogar mit Erlass. Die Verbreitung der Trachten sollte zur Hebung des bayerischen Nationalgefühls beitragen und vereinen. Dabei handelte es sich allerdings um Phantasiekleidung, die nicht historisch bedingt war. Inspiration für die Herrentracht fand man damals unter anderem bei den Jägern mit ihren Lederhosen. Das Königshaus gab sich selbst volksnah, indem es sich selbst immer wieder in Tracht zeigte.

Die bayerische Tracht, wie wir sie heute kennen, ist also tatsächlich erst rund 150 Jahre alt und ein kluger Marketingschachzug der Wittelsbacher. Sie verstanden es schon damals wie kein anderer, ein Branding für ihr Bayern zu kreieren, welches sich bis heute in unseren Köpfen verankert hat.

Mit dem deutschen Kaiserreich, welches 1871 gegründet wurde, konnten sich die Bewohner Bayerns nur schwer identifizieren. Sie fühlen sich in erster Linie als Bayern – die Marketingstrategie der Wittelsbacher ist aufgegangen. Im Zuge der Heimatbewegung Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Tracht schließlich instrumentalisiert. Mit dem Ziel der Erhaltung des heimatlichen Brauchtums, wurden Trachtenvereine, Heimatvereine und ähnliche gegründet.  Fun Fact: Ganz so brav wie manch einer heute denkt waren die Vereinsmitglieder, zumindest aus damaliger Sicht, nicht. Schließlich trafen dort Mädels auf Jungs, es wurde gesoffen, gefeiert und die Mitglieder sympathisierten mehr mit Rot als Schwarz. 😉

RetroCat in einem dunkelroten Dirndl auf der Oidn Wiesn

Trachten: Die Regeln

Mit der Gründung der Trachtenvereine entstanden auch Regeln. Mit dem Ergebnis, dass Trachten eine Art Uniform wurden und schließlich regional zum Teil sehr starke Unterschiede aufwiesen. Außerdem lassen sich bis heute Rückschlüsse auf beispielsweise den Personenstand ziehen. Das war bei Frauen vor allem mittels der Art in der die Schürze mit der Schleife gebunden wurde möglich (Schleife links bedeutet ungebunden und ledig; rechts gebunden und verheiratet; mittig war Zeichen der Jungfräulichkeit; hinten gebunden stand für verwitwet). Hier hat wohl auch die Dirndlschürzenschleifen-Geschichte, die den selben Regeln folgt, ihre Wurzeln. 😉

Vintage-Bloggerin RetroCat mit dunklem Dirndl und heller Schürze

Berufskleidung Tracht

Einen weiteren Aufschwung erlebt die bayerische Tracht dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als es Adel und wohlhabende Städter vermehrt in die Alpen zur Sommerfrische zieht. In diesem Zuge wurde die ortstypische Tracht zu einer Art Berufsbekleidung für die Landbevölkerung, die mit dem Tourismus ihr Geld verdiente. Bayern in Tracht war schließlich was den Vorstellungen der Touristen entsprach und somit erwartet wurde. Als dann die Städterinnen begannen, sich ihrer einengenden und unpraktischen Kleidung zu entledigen, um sie gegen praktischere Alternativen auszutauschen, wurde das Dirndl geboren.


Die Geschichte des Dirndls

Bevor wir tiefer in die Geschichte des Dirndls einsteigen, verrate ich Dir, woher der Begriff überhaupt kommt und beleuchte die Hintergründe.

Dirndl: Begriffsklärung

Dirndl ist die Verkleinerungsform beziehungsweise Verniedlichung von Dirn, der bayerisch-österreichischen Variante von der Dirne. Der Begriff bezeichnet schlicht ein junges Mädchen und war bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts auch eine gebräuchliche Bezeichnung für eine Magd. Das von diesen Frauen/Mädchen getragene Kleidungsstück wurde als Dirndlgwand bezeichnet, irgendwann wurde daraus dann schlichtweg Dirndl.

Prostituierte als Dirne zu bezeichnen ist übrigens eine recht neue Erscheinung und hat mit dem Dirndl nichts zu tun. Nun aber mehr zur Geschichte des alpenländischen Kleidungsstücks.

Dirndl: Geschichtliche Hintergründe

Das Dirndl entstand, wie zuvor erwähnt, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals wurde das eigentlich wirklich harte Landleben im Alpen und Alpenvorland oftmals romantisiert. Als die Städterinnen dann gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt Urlaub auf dem Land machten, wurde ihnen ihre teure und aufwändig gearbeitete Kleidung zu unpraktisch. Sie ließen sich Kleider anfertigen, die nicht nur den Stil der Landbevölkerung imitieren, sondern auch die romantische Landidylle widerspiegelten sollten, die es so eigentlich gar nicht gar nicht gab.

Die Anatomie des Dirndls

Inspiration war das billige, zusammengestückelte Arbeitsgewand für Bäuerinnen und Mägde (Dirnen). Es bestand aus einem Hemd, über dem eine Art lockeres Kleid („Leiblgwand“) aus Baumwolle oder Leinen sowie eine Schürze, meist aus alter Bettwäsche oder Lumpen hergestellt, getragen wurde. Das war praktisch, hat mit dem, was wir heute als Dirndl bezeichnen, optisch allerdings so gut wie nichts gemein.

Inspiriert von den zugegeben recht unförmigen Kleidern der Mägde wurde das Drindl den gehobenen Ansprüchen der wohlhabenden Gesellschaft angepasst und verschönert. Details wie Schürze, Abnäher, Borten und Biesen sind geblieben. Diese Merkmale sind darauf zurückzuführen, dass die Kleidung früher lange halten musste. Bei Bedarf konnte man die Kleidung so enger oder weiter machen, den Rocksaum verlängern und notfalls einfach die alte Schürze durch eine neue ersetzen.

Das Dirndl war also tatsächlich ein Sommerkleid für die wohlhabende Städterin auf Landurlaub und zudem ein reines Freizeitphänomen. In München war Dirndl und/oder Tracht zu dieser Zeit nicht angesagt.

Vintage-Mode-Bloggerin RetroCat mit Dirndl vor einem Biertransporter

Wie kamen Tracht und Dirndl in die Stadt?

Trachten halten in den Städten erst im Zuge der Industrialisierung Einzug. Plötzlich interessiert sich die Stadtbevölkerung, die aufgrund von Arbeitsgesetzen mehr Freizeit hat, für Dinge wie Wandern. Lederhosen und Loden eigneten sich dafür ideal. Wohlhabende besitzen nun Häuser auf dem Land, wo sie die „gute alte Zeit“ zelebrieren. Kleidung im Landhausstil war somit das i-Tüpfelchen.

Wer hätte aber gedacht, dass ausgerechnet zwei Preußen Dirndl und Tracht nach München brachten? Als die eigentlich aus Westfalen stammenden Brüder Wallach in München 1900 ihr Volkskunsthaus eröffnen, werden sie schnell zur besten Adresse für „traditionelle bayerische Tracht“. Bei den Designs sind sie recht kreativ. Nichtsdestotrotz machen sie Dirndl und Tracht in München erst richtig populär.

Nach den Schrecken des ersten Weltkrieges beginnt wieder eine Rückbesinnung auf alte Traditionen. Als in München Linksgesinnte mehr Einfluss erhalten, wollen Freikorps in Tracht wieder für Recht und Ordnung sorgen. Damit ändert sich der Kontext der Trachten komplett. Auch die Nationalsozialisten missbrauchen die Tracht für ihre Zwecke.

Dirndl und Tracht zur NS-Zeit

Das Bild eines anständigen, ländlichen und heimattreuen Arbeiters in Tracht und sicherlich auch die Heimatassoziation mit Trachten passten den Nationalsozialisten wohl gut in den Kram. 1938 fiel dann die eigentlich beste Adresse in Sachen Trachten, das Volkskunsthaus der Brüder Wallach, die jüdischen Wurzeln hatten, der Arisierung zum Opfer. Juden wurde es in einigen Regionen sogar verboten, Tracht zu tragen.

Auch das Dirndl bleibt während der NS-Zeit nicht verschont. In den 30ern entwarf Gertrud Pesendorfer, „Reichsbeauftrage für Trachtenarbeit“, das neue germanische Kleid, die „erneuerte Tracht“. So wurde das Dirndl nicht nur „entkatholisiert“, sondern auch erotisiert. Die hohen Krägen verschwanden und auch die Arme wurden nicht mehr bedeckt, außerdem rutschte der Saum weiter nach oben. Selbst die betonte Taille hat ihren Ursprung in dieser Zeit. Mit den teilweise regional höchst unterschiedlichen Festtagstrachten hatte das nichts mehr zu tun. Das ist übrigens die Art von Dirndl, die wir auch heute noch überwiegend sehen und tragen. (Das Thema Mode während der NS-Zeit ist ein ganz eigenes Kapitel, welches ich vielleicht in einem zukünftigen Beitrag genauer beleuchten werde.)

Auf vielen Webseiten rund ums Thema Dirndl und Tracht liest man über diesen letzten Punkt leider wenig. Zwar kann das Dirndl an sich nichts dafür, dass es für nationalistische Zwecke missbraucht wurde, im Hinterkopf behalten sollte man es meiner Meinung nach aber dennoch. Vor allem in unserer heutigen Zeit.

Trachten und Dirndl heute

Seit Ende des zweiten Weltkrieges waren Trachten und das Dirndl zeitweise sehr beliebt, galten dann aber wieder als altmodisch, hinterwäldlerisch oder kleinkariert, nur um vor allem in Zeiten des Umbruchs immer wieder ein echtes Revival zu erleben. So auch momentan. Vielleicht liegt es an der Globalisierung, an den Wirtschaftskrisen oder den Umschwüngen unserer Zeit, vielleicht auch an allem gleichzeitig, aber es scheint eine Art Rückbesinnung auf traditionelle Werte und altes Kulturgut stattzufinden. Das ist nicht zu verurteilen, beziehungsweise jedem selbst überlassen, solange wir uns bewusst sind, dass „die gute alte Zeit“ mehr als nur eine Schattenseite hatte und wir Trachten weder nutzen, um Menschen anderer Herkunft aus unserer Gesellschaft auszuschließen, noch versuchen, ihnen eine Tradition aufzuzwingen, die ohnehin künstlich erzeugt wurde.

Klar ist, dass mit Trachten und Dirndl mittlerweile auch jede Menge Geld verdient wird, vor allem natürlich zur Wiesnzeit. Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt.

Bloggerin RetroCat im Dirndl vor einem Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest


Dirndl und Oktoberfest – gehört zusammen, oder?

Wenn man all diese Fakten betrachtet, gehören Dirndl beziehungsweise Tracht und das Oktoberfest dann nicht doch irgendwie zusammen? Ich würde sagen jein.

Die Geschichte des Oktoberfests oder wie das Dirndl auf die Wiesn kam

Fakt ist, als am 17. Oktober 1810 zu Ehren des königlichen Brautpaares (Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese), das am 12. Oktober 1810 geheiratet hatte, das erste Pferderennen und damit der Vorläufer zum Oktoberfest auf der Theresienwiese stattfand, gab es das Dirndl noch gar nicht (wie zuvor erwähnt, gewann dieses erst Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung). Die Anwesenden trugen vielmehr ihre feinste Ausgehkleidung und das war keine Tracht, sondern tatsächlich französische Mode.

Ein Jahr später sollte das Fest erneut stattfinden, diesmal mit dem „Landwirtschaftliche Verein in Bayern“ als Veranstalter. Neben Fest sowie Pferderennen gab es auch eine Präsentation bäuerlicher Leistungen. Zu diesem Anlass ist teilweise auch die ländliche Bevölkerung gekommen. Allerdings trugen diese nicht ihre Arbeitskleidung, sondern allenfalls ihre Festtagstracht.

Als Ende des 19. Jahrhunderts dann immer mehr Trachtengruppen ihre Auftritte hatten, um die Gäste zu unterhalten, kamen diese in ihren damals typischen Trachten. Allerdings wurde auch hier teilweise von der Regierung nachgeholfen und Vorschriften erlassen.

Aber wie ist denn das Dirndl dann zum Must-have für die Wiesn geworden? Tatsächlich hat München wieder einmal bewiesen, dass ihnen marketingtechnisch niemand etwas vormacht. Mit der Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele 1972 brauchte die Stadt ein eindeutiges Symbol, um sich in aller Welt bekannt zu machen und als Weltstadt mit Herz zu präsentieren. Der Marketing-Clou: Hübsche Frauen in fesche Dirndl stecken.

Danach gab es viele Auf und Abs fürs alpenländische Kleid. Mal war es todschick im Dirndl auf die Wiesn zu gehen, ein anderes Mal total out. Momentan scheint das Dirndl wieder en vogue zu sein, wobei manch einer bereits wieder eine Trachtenmüdigkeit bei den Millennials zu beobachten behauptet.

Drindl und Tracht mögen also geschichtlich gesehen mit dem Oktoberfest nicht unbedingt streng verbunden sein, dennoch gehören sie, zumindest heutzutage, irgendwie zusammen. Schließlich hat es München wie keine andere Stadt geschafft, sich mit seiner „Tracht“ einen einzigartigen Wiedererkennungswert zu schaffen.

Vintage-Bloggerin RetroCat mit Dirndl vor dem Riesenrad auf dem Oktoberfest in München

Kann man denn heutzutage überhaupt noch Dirndl tragen?

Natürlich kann jede/r tragen was immer er oder sie möchte. In Zeiten, in denen, nun ja, nennen wir sie mal höchst konservative Politiker in Trachtenmode die Heimatkeule schwingen, sollte man sich aber zumindest bewusst sein, dass sowohl Dirndl als auch Tracht schon einmal für nationalistische Zwecke missbraucht wurden und auf diese geheuchelte Tradition sowie Heimatverbundenheit nicht hereinfallen.

Wer möchte, darf also selbstverständlich ins Dirndl schlüpfen und über die Wiesn oder wo auch immer stolzieren. Mit bayerischem Brauchtum haben die quietschbunten, teils mit Glitzer und allerlei Schnickschnack verzierten Dirndl ohnehin nichts gemein.

Auch an der Frage, ob Frauen im Dirndl nun fesch oder allenfalls lustig aussehen, scheiden sich die Geister. Und so ist es wie so oft eine Frage des (guten) Geschmacks, was wir zum größten Volksfest der Welt tragen. Fest steht jedoch: Wer sich zum Oktoberfest in seine beste Festtagskleidung wirft, ist traditioneller unterwegs als die zahlreichen Besucher in Trachten. 😉


Mehr Artikel und Beiträge zum Thema Dirndl, Tracht und Oktoberfest:

Für diesen Beitrag habe ich sehr viel recherchiert, das World Wide Web druchstöbert, alte Fotografien angesehen, mit Familienangehörigen gesprochen und natürlich jede Menge gelesen. Ein paar der Artikel habe ich Dir im Folgenden verlinkt:

  • Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, der findet auf Wikipedia (hier zum Thema Dirndl und hier zu bayerischen Trachten) einen guten Rundumblick.
  • Außerdem fand ich dieses Interview zum Thema Nazierfindung Wiesndirndl sehr interessant.
  • Warum das Dirndl eigentlich gar nicht aufs Oktoberfest gehört, klärt dieser Artikel.
  • Einen recht witzig geschriebenen Kommentar zum Thema Dirndl gibt’s bei der SZ.
  • Interessant ist auch dieser Artikel: Erfundene Tradition – Wie das Dirndl zuerst jüdisch und dann nationalsozialistisch wurde.
  • Mehr zur Geschichte Der Wiesn gibt’s auf der Oktoberfestseite.
  • Einen recht umfassenden Überblick über bayerische Trachten gewähren außerdem dieser sowie dieser Artikel.

Trend oder Tradition? Die Geschichte des Dirndls und der bayerischen Tracht - RetroCat

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6 thoughts on “Trend oder Tradition? Die Geschichte des Dirndls & der bayerischen Tracht

  1. Totally fascinating! I loved all this backstory and the weaving in of history and culture, but still in a very succinct way. Thank you. In London, we will soon see lots of women in nylon ‚dirndls‘ bought for ten pounds only for Oktoberfest (and men in similarly synthetic lederhosen) and no doubt thrown away afterwards….

    1. Thank you so much Karen!

      I know that many people only buy Dirndl or Lederhosen for their Oktoberfest visit. And of course, I understand they don’t want to spend a lot of money for these clothes. However, I personally would never waist my money for a cheap or very „trendy“ Dirndl. Dirndl and Lederhosen made of good fabrics usually last a life long or even longer. Mine, for example, is about 40 years old. My grandpa made it for my mum when she was a young woman, and it’s still in perfect condition…

      xx
      Sandra

  2. Fantastic post!! I own a couple of dirndls personally so reading this post has been incredibly interesting and helpful.

    And even though I am not of Bavarian background (my father was born outside of Hamburg so Karneval is my passion) I do like to wear my dirndl to Oktoberfest and have a marvelous time (Here in Canada just an hour from Toronto where I live, is a city called Kitchener and they host the biggest Oktoberfest outside of Munich).

    Thanks again for this post!

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